GNP Buchreihe
Neue Phänomenologie
Herausgegeben von der Gesellschaft für Neue Phänomenologie
Das Interesse der Neuen Phänomenologie gilt den Phänomen selbst. Sie eicht ihre Begriffe an der unwillkürlichen Lebenserfahrung. Dadurch gibt sie Gelegenheit zu neuen Einsichten, die über übliche Perspektiven hinausgehen. Insbesondere Themenbereiche wie Leib, Gefühl und Subjektivität können so in neuer Weise der Erkenntnis zugänglich gemacht werden. Zugleich öffnet die Neue Phänomenologie den Blick auf andere Kulturen.
Mit der Reihe, in der Monographien und Textsammlungen im Verlag Karl Alber erscheinen, wird diesem Anliegen Raum zur Diskussion gegeben.
Gudula Linck
Leib oder Körper. Mensch, Welt und Leben in der chinesischen Philosophie
280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2011, Band 16
Gudula Linck untersucht in dieser komplett überarbeiteten Neuausgabe des Buches aus dem Jahr 2001 die traditionellen Vorstellungen von Leib und Körper in China, indem sie mit Hilfe des Ansatzes von Hermann Schmitz die Verhältnisse von „Leib und Körper", „Leib und Gefühl" und „Mensch und Welt" analysiert. Herausgearbeitet werden dabei im Selbst- und Weltverständnis sowohl die monistische Grundhaltung als auch dualistische Einflüsse, die das vormoderne China prägen. Von daher wird auch gefragt, inwieweit eine unmittelbarere Leiberfahrung und ein ganzheitlicheres Erleben in der chinesischen Tradition beobachtet werden können.
Zur Sprache kommen in diesem Zusammenhang u.a. die Bedeutung des Herzens für das chinesische Menschenbild, die Macht der Gefühle, Techniken der Leibbeherrschung und die Beziehung des menschlichen Körpers zum Kosmos.
Michael Großheim, Steffen Kluck (Hrsg.)
Phänomenologie und Kulturkritik. Über die Grenzen der Quantifizierung
392 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 15
Mit großem Erfolg arbeiten wir an einer Flurbereinigung unserer Lebenswelt: Alles wird berechenbarer, effektiver, sicherer. Dazu überziehen wir die Gesellschaft mit einem Netz von Vorschriften, Verträgen, Zielvereinbarungen, das uns Ordnung und Übersichtlichkeit suggeriert. Unterhalb dieser Konstellationen setzt sich indessen das Leben in komplexen, nicht vollständig explizierten Situationen fort. Die Analyse dieser doppelbödigen Existenz - zwischen den Kulissen, die uns Reglementierung und Kodifizierung zur Verfügung stellen, einerseits und dem mehr oder weniger unbestimmten Stoff des »wirklichen« Lebens andererseits - ist ein aktuelles Aufgabenfeld für Kulturkritik. Sie erweist sich als nötiger denn je.
Die Autoren des Bandes denken aus einer phänomenorientierten Perspektive über Kultur nach. Sie bieten weniger abstrakte Kulturtheorie als exemplarische Fallstudien; besondere Beachtung finden dabei die Universität und die Arbeitswelt. Im Rahmen der Analysen zeigt sich, dass eine kritische Betrachtung von Kultur unter den phänomenologischen Leitbegriffen von »Situation« und »Konstellation« in besonderem Maße produktiv sein kann.
Mit Beiträgen von: Clemens Albrecht (Soziologie), Fritz Böhle (Arbeitssoziologie), Gernot Böhme (Philosophie), Michael Großheim (Philosophie), Jürgen Hasse (Humangeographie), Heiner Hastedt (Philosophie), Ludger Heidbrink (Philosophie), Steffen Kluck (Philosophie), Hans Werhahn (Philosophie) und Hermann Schmitz (Philosophie).
Hermann Schmitz
Jenseits des Naturalismus
392 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 14
Die Naturwissenschaft wird für den überzogenen Anspruch einer umfassenden Welterklärung missbraucht, obwohl ihre theoretische Kompetenz auf die Konstruktion eines Gedankengebäudes für treffende Vorhersagen und plausible Entstehungsgeschichten beschränkt ist. Während die beiden anderen Verkünstelungen der unwillkürlichen Lebenserfahrung in der abendländischen Tradition (durch die antike Philosophie und die christliche Theologie) nur noch nachwirken, hat die Aufklärung ihr Werk an der die Geister beherrschenden Macht des naturwissenschaftlichen Weltbildes noch zu tun. Daher beschreibt Schmitz die Grenzen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis im Zusammenhang mit der durch die abendländische Tradition entstandenen gegenwärtigen Lage. Anschließend zeigt er an Raum und Gefühl, Leib und Person Perspektiven einer vom naturwissenschaftlichen Weltbild (nicht von der Naturwissenschaft) emanzipierten Phänomenologie auf.
Michael Großheim, Stefan Volke (Hrsg.)
Gefühl, Geste, Gesicht. Zur Phänomenologie des Ausdrucks
280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 13
In den letzten Jahren bahnt sich eine Renaissance des Ausdrucksdenkens an. In den Geistes- und Kulturwissenschaften gibt es ein neues Interesse an der Physiognomik, hinzu kommt die Wiederentdeckung der Stimme als Ausdrucksphänomen, und schließlich wird dem Ausdruck auch in der Philosophie wieder breitere Aufmerksamkeit geschenkt.
Das Buch versammelt Beiträge zur Kategorie des Ausdrucks u. a. aus den Bereichen Philosophie, sprachliche Kommunikation, Tanz, Architektur, Musik, Gesichts- und Formwahrnehmung und gibt damit einen Einblick in die aktuelle Forschungslage.
* Anmerkung *
Die im Band beim Beitrag von Hartmut Möller "Der Orchesterdirigent - Bewegungssuggestionen und solidarische Einleibung" angegebenen Ausschnitte konnten bisher leider aufgrund von Copyright-Problemen nicht auf der Homepage eingestellt werden. Damit Sie als Leser aber dennoch die informativen Gehalte des Films nicht verpassen müssen, erhalten Sie hier die entsprechenden Informationen zur Ausleihe oder zum Kauf der DVD.
Alle Ausschnitte, auf die sich Herr Möller bezieht, entstammen dem Film "The art of conducting - legendary conductors of a golden era: Sergiu Celibidache, Wilhelm Furtwängler, Erich Kleiber, Evgeny Mravinsky, Charles Munch, Willem Mengelberg, André Cluytens, Herbert von Karajan, Hermann Scherchen, Václav Talich" (deutsch: "Die Kunst des Dirigierens"), Regisseur Peter R. Smith, mit einem Kommentar von Peter Andry. Erschienen ist das Werk 1997 bei Teldec Classics International.
Die von Herrn Möller angesprochenen Ausschnitte betreffen folgende Zeitabschnitte des genannten Films:
Szene 1 (Egmont-Overtüre mit S. Celibidache): Dauer 59 sec.
Szene 2 (S. Celibidache): Dauer 16 sec., Zeitindex 1.22.18.05-1.22.19.20
Szene 3 (Till Eulenspiegel von R. Strauss): Dauer 47 sec., Zeitindex 30.32.04-30.34.12
Szene 4 (W. Furtwängler): Dauer 36 sec., 37.11.19-37.12.03
Szene 5 (S. Celibidache): Dauer 39 sec., 1.25.15.09-1.25.15.17
Szene 6 (S. Celibidache): Dauer 88 sec., 1.23.20.07-1.23.21.00
Jürgen Hasse (Hrsg.)
Die Stadt als Wohnraum
212 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 12
Wohnen wird lebensweltlich heute zunehmend mit Dingen, Moden und Stilen assoziiert und dann an Oberflächen flüchtiger Lebenspraxen identifiziert. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, was Wohnen als existenzielle Lebensform überhaupt bedeutet. Dies thematisiert der Band im Hinblick auf die Stadt als Wohnraum und auf das Wohnen als Kultur der Gefühle im umfriedeten Raum. Beiträge aus verschiedenen Fachgebieten und Perspektiven liefern Beispiele (z.T. mit Bezügen zu anderen Kulturen) zu aktuellen Formen umfriedeten Wohnens und umreißen so Konzepte zum Nach-Denken der örtlichen und räumlichen Qualitäten des Wohnens in der Stadt.
Hans Jürgen Wendel / Steffen Kluck (Hrsg.)
Zur Legitimierbarkeit von Macht
184 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 11
Dieses Buch versammelt zehn Beiträge, die sich mit jeweils unterschiedlichen Aspekten von Macht beschäftigen. Die Bandbreite der Perspektiven umfasst dabei Medizin, Politik, Psychologie, Pädagogik, Theologie und Philosophie. Durch die Vielfalt der Herangehensweisen und Gegenstandsbereiche wird ein weitgefächerter Einblick in die Ausprägungen von Macht und deren theoretische Analyse geliefert.
Zentrales Anliegen der Aufsätze ist dabei neben einer deskriptiven Fassung zentraler Aspekte des Phänomens Macht die Frage nach der Legitimität. Wann ist Macht legitim? Wie lässt sich Legitimität herstellen?
Hermann Schmitz
Freiheit
168 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2007, Band 10
Dieses Buch unterzieht die bisherige Diskussion des Freiheitproblems, in der Freiheit - verstanden als nichttriviales Äquivalent sittlicher Verantwortung - als Willensfreiheit und objektive Tatsache umstritten ist, einer grundsätzlichen Kritik. Denn damit gerät man in ein Dilemma zwischen Determinismus und Indeterminismus, die beide den Ansprüchen des normalen sittlichen Verantwortungsbewusstseins nicht genügen.
An die Stelle des Willens setzt Schmitz die Gesinnung als die aktive Seite des affektiven Betroffenseins und als subjektive Tatsache (die höchstens einer im eigenen Namen aussagen kann) mit einer Selbstbewirkung, die jenes Dilemma unterläuft; zur Freiheit wird sie durch Rechenschaftsfähigkeit ergänzt. Auf diese Weise wird auch die außersittliche Zuversicht des Menschen, dass es für etwas auf ihn ankommt, gegen Anfechtungen der Freiheit geschützt. Daher wird das Verhältnis von Freiheit und Macht eingehend erörtert, u.a. im Verhältnis zum totalen (fatalistischen) und zum naturwissenschaftlichen Determinismus. Rationales Verhalten erweist sich als unvereinbar mit deterministischer Überzeugung. Weitere Untersuchungen betreffen das Wollen und die Strafe.
Anna Blume (Hrsg.)
Was bleibt von Gott? Beiträge zu einer Phänomenologie des Heiligen und der Religion.
224 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2007, Band 9
Das 'Bedürfnis nach Religion' ist offensichtlich auch in 'säkularen und individualisierten Gesellschaften' virulent. Ob diesem Bedürfnis aber tatsächlich 'religiös' zu nennende Erfahrungen entsprechen, ob der anhaltende religiöse Betrieb sie ermöglicht oder fragwürdige Metaphysik dazu verhilft, ist nicht erst seit Nietzsches 'toller' Rede vom "Tode Gottes" zweifelhat. Was bleibt, ist "negative Theologie" (Hermann Schmitz). Im Sinne einer Phänomenologie der Leiblichkeit bindet sie das Göttliche in seiner Wurzel an leiblich fühlbare Atmosphären. Damit allerdings entfällt ein Göttliches 'an sich' und wird zur Auszeichnung 'heiliger Gefühle', die u.U., wenn unverträgliche (Gefühls-)Autoritäten mit unbedingtem Ernst zusammenstoßen, in tragische Konflikte führen oder in einen Kampt der (Gefühls-)Kulturen. - Die beteiligten Autoren beziehen sich dann je in spezifischer Form und im Begriffrahmen ihrer Disziplinen auf die Titelfrage des Buches.
Stefan Volke
Sprachphysiognomik. Grundlagen einer leibphänomenologischen Beschreibung der Lautwahrnehmung.
277 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2007, Band 8
Eines der Grundprobleme bei der Einrichtung einer auditiven Phonetik ist die synästhetische Semantik der Lauteindrücke. Sprachliche Schalleinheiten werden in der auditiven Beschreibung u.a. die Dimensionen Volumen, Dichte, Gewicht, Aktivität, Helligkeit und Höhe zugesprochen. Handelt es sich hierbei um geniune Eigenschaften des Schalls oder um aus nicht-akustischen Bereichen assoziierte Eigenschaften? Die vorrangige Orientierung der phonetischen Wissenschaften am physikalischen Weltbild hat den theoretischen Zugang für eine Erörterung dieser auditiven Attribute weitgehend verstellt. In Auseinandersetzung mit assoziationstheoretischen Erklärungsmodellen aus dem Bereich der Lautsymbolik-Forschung werden in diesem Buch stichhaltige Argumente für die Selbständigkeit der auditiven Eindrücke vorgebracht und die Verwandtschaft dieser Wahrnehmungen mit den Phänomenen des eigenleiblichen Spürens dargelegt.
Ute Gahlings
Phänomenologie der weiblichen Leiberfahrungen.
701 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2006, Band 7
Die Autorin führt leibphänomenologische und feministische Positionen zusammen und erarbeitet den Begriff des Geschlechtsleibes für die Analyse geschlechtsspezifischer Erfahrungen. Die theoretische Fundierung einer Phänomenologie der geschlechtlichen Leiberfahrung wird durch exemplarische Untersuchungen ergänzt. Eine Topographie des weiblichen Leibes zeichnet die Weisen und Gegebenheiten des leiblichen Spürens nach. Einzelanalysen beziehen die subjektive Betroffenheit in konkreten Situationen der weiblichen Biographie ein und thematisieren mit Blick auf die in der technischen Zivilisation möglichen Eingriffe in früher unverfügbare Sphären des Körpers die Einflüsse geschlechtsspezifischer Leiberfahrungen auf die leibliche Integrität.
Sven Sellmer
Formen der Subjektivität. Studien zur indischen und griechischen Philosophie.
364 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2005, Band 6
Die Auseinandersetzung mit der Subjektivität, wie sie in diesem Buch verstanden wird, hat ihre Wurzel in der Tatsache, dass der Mensch mehr oder weniger hilflos vielen Ereignissen ausgeliefert ist, die ihn betroffen machen und aus der Fassung bringen können. Die phänomenologische Beschreibung dieser universalen Problematik ermöglicht den Vergleich von philosophischen Theorien aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Die untersuchten Philosophie (Stoa, Epikureismus, Skepsis, ältere Upanischaden, Sãmkhya, früher Buddhismus) setzen sich auf je eigene Weise mit dieser Herausforderung auseinander und entwickeln so charakteristische Konzeptionen davon, wie die Struktur der Subjektivität beschaffen ist und sein sollte. Der Kern des Buchs besteht in detaillierten, individuell gestalteten Einzeluntersuchungen, auf deren Grundlage dann Spezifika, Gemeinsamkeiten und Hauptunterschiede der ausgewählten Theorien herausgearbeitet werden.
Janssen, Jan-Peters (Hrsg.)
Wie ist Psychologie möglich?
224 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 5
Sind Liebe und Schmerz letztlich nichts weiter als Zustände, die lediglich mit naturwissenschaftlichen Mitteln beschreibbar sind? Kann man aus der Tatsache, daß unsere Erfahrung nicht ohne physiologische Begleitvorgänge stattfindet, einfach folgern, daß beides identisch ist? Ist Psychologie lediglich eine empirische Wissenschaft, bei der es um experimentell-statistische Hypothesenprüfung geht? Das, was Menschen erleben, verschwindet zunehmend aus dem Blick der Wissenschaften. Die Psychologie hat sich nach einer phänomenologisch fruchtbaren Phase (in der die Gestaltpsychologie oder die Denkpsychologie der Würzburger Schule entstanden) an der Naturwissenschaft orientiert. Dabei ist ihr Gegenstand vieldeutig geworden. Von »Seele« ist schon lange keine Rede mehr. In unseren Tagen droht das »Bewußtsein« durch das Gehirn ersetzt zu werden. Die »Krise der Psychologie«, die Karl Bühler in den zwanziger Jahren konstatierte, ist nach wie vor virulent. In dieser Lage stellen wir die an Kant angelehnte Frage: Wie ist Psychologie als Wissenschaft möglich? Psychologie kann nicht ohne eine angemessene Berücksichtigung der Erlebnisseite betrieben werden. In diesem Zusammenhang werden Grundeinsichten der von Hermann Schmitz begründeten Neuen Phänomenologie fruchtbar gemacht.
Jürgen Hasse
Fundsachen der Sinne
Eine phänomenologische Revision alltäglichen Erlebens
Ca. 450 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 4
Im Zuge einer phänomenologischen Revision alltäglichen Erlebens geht der Band der Frage nach, welchen Beitrag eine erfahrungsorientierte Reflexion sinnlicher Eindrücke und emotionalen Erlebens für ein erweitertes Denken leisten könnte. Welchen Nutzen kann eine geschärfte Aufmerksamkeit für die Entfaltung eines strukturell erweiterten Denkens haben?
Der phänomenologischen Revision dienen Beispiele zur Stadtentwicklung, Raumplanung, zum schulischen »Lernen mit allen Sinnen«, zum Erleben von Kaufhausatmosphären wie zum Verstehen der gefühlsräumlichen Kulturlandschaft »Friedhof«. Die Anwendungen zeigen, daß eine »Alphabetisierung« der sinnlichen Wahrnehmung mit den Mitteln der Alltagssprache möglich ist. Die Erträge geschärfter Aufmerksamkeit verlieren sich nicht in esoterischer Beliebigkeit, sie ermöglichen vielmehr (nicht zuletzt in politischer Hinsicht bei der Lösung gesellschaftlicher Nutzungskonflikte) ein erweiteres selbst- und gegenstandsbezügliches Sprechen-Können. Nicht zuletzt deshalb ist der Band ein unmittelbarer Beitrag zu einer Pädagogik der Wahrnehmung.
Dirk Schmoll/Andreas Kuhlmann (Hg.)
Symptom und Phänomen
Phänomenologische Zugänge zum kranken Menschen
Ca. 240 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 3
Im Zentrum des therapeutischen Tuns steht die Begegnung mit dem Kranken. Der Arzt steht immer wieder vor der Aufgabe, das, was sich beim Patienten und in der Beziehung zu ihm darbietet, aufzunehmen und sich bewußt zu machen, das heißt, zur Sprache zu bringen. Dabei würde ihm eine Sprache helfen, die einerseits möglichst präzise ist, andererseits das Lebendige im Begriff aber nicht liquidiert, sondern Raum läß für das Gefühlte, das Atmosphärische, das Mehrdeutige und Vielgestaltige des unmittelbaren Eindrucks. Hier bietet die von dem Kieler Philosophen Hermann Schmitz begründete Neue Phänomenologie vielfältige Möglichkeiten: für Praktiker, die nach Grundlagen, Maßstäben und Werten ihres Handelns suchen, für Philosophen, die die Heilkunde als Anwendungsfeld ihrer Erkenntnis schätzen.
Anna Blume (Hg.)
Zur Phänomenologie der ästhetischen Erfahrung
Ca. 176 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 2
Das Buch versammelt im wesentlichen die Vorträge zum 7. Symposion der Gesellschaft für Neue Phänomenologie, das 1999 in der Kunsthalle Kiel stattfand. Nicht alle Beiträge beziehen sich - kritisch oder operativ - auf die begrifflichen Vorgaben der »Neuen Phänomenologie«, etwa auf den Begriff der Atmosphäre. Hermann Schmitz indes stellt mit seinem Beitrag eben diesen Begriff noch einmal in den systematischen Kontext seiner Leib-Philosophie und bringt ihn damit als möglichen Grundbegriff einer »Neuen Ästhetik« in Vorschlag. Gernot Böhme, mit Schmitz einig in der Rehabilitierung leiblich situierter Subjektivität, veröffentlichte bereits 1994 unter dem Terminus »Atmosphäre« einige Essays zum Projekt einer Neuen Ästhetik als »Aisthetik«, die über jene rezeptiv orientierten Bestimmungsversuche von »schön«, »hässlich« und »erhaben« - d. h. über die traditionalen Geschmacksfragen einer Urteilsästhetik - entschieden und umweltkritisch hinausweisen in Richtung auf eine ökologische Naturästhetik. Böhme nimmt damit die (ökologisch bedenkliche) Tatsache der »Ästhetisierung unserer Lebenswelt« und deren Produktionsbedingungen kritisch in den Blick. In diesem Spannungsbogen einer methodischen Konkurrenz zwischen Neuer Phänomenologie und Ästhetik als Aisthetik bewegen sich die Autorinnen und Autoren dieses Buches.
Hermann Schmitz
Situationen und Konstellationen
Wider die Ideologie totaler Vernetzung
Ca. 280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 1
Menschen leben in Situationen mit binnendiffuser Bedeutsamkeit, aus der sie alles Einzelne schöpfen; sie finden sich darin zurecht, indem sie Situationen als Konstellationen (Vernetzungen einzelner Faktoren) zu rekonstruieren suchen. Das ist nötig und gut; sie sollten sich aber hüten, die Situationen über den Konstellationen zu vergessen und in Konstellationen auflösen zu wollen. Dieser Übermut totalen Vernetzungswillens hat das Verhältnis zur Natur, das soziale Leben und das menschliche Selbstverständnis angefressen, bestärkt vom Leitbild der Digitalisierung. Das Buch soll die unerlässliche und unerschöpfliche Bedeutsamkeit der Situation wieder in Erinnerung rufen: an der leiblichen Kommunkation, in der die gemeinsamen Situationen sich bilden, an Raum und Zeit, die als Phänomen unter der konstellationistischen Verdeckung durch Geometrie und Physik hervorgeholt werden, und an der sozialen Verkettung von Menschenrechten und Menschenpflichten. Ein Anhang mit brieflichen Erläuterungen zentraler philosophischer Positionen des Verfassers schließt das Buch.
GNP Buchreihe
Lynkeus. Studien zur Neuen Phänomenologie
Herausgegeben von der Gesellschaft für Neue Phänomenologie
Ziad Mahayni
Feuer, Wasser, Erde, Luft
Eine Phänomenologie der Natur am Beispiel der vier Elemente
300 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 9
Das Projekt der Phänomenologie der Natur entspringt dem Gefühl des Unbehagens an der »Entzauberung der Welt« zu einer vollständig »verwalteten«. Diese ist wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich, das Resultat eines Naturzuganges, dessen Anfänge mit dem Beginn der Moderne zusammenfallen und als dessen »erste Propheten« Francis Bacon und René Descartes bezeichnet werden können. Dieser Naturzugang, der naturwissenschaftlich-technische, gerät in eine Krise, die gegenwärtig immer deutlicher zu Tage tritt, weil er nicht zu erfüllen vermochte, was er einst versprach. Die Hoffnung auf Befreiung von Naturzwängen durch Naturwissenschaft und Technik muss in Anbetracht der ökologischen Krise als illusorisch bezeichnet werden - nicht zu sprechen von der Prophetie einer humaneren und friedlicheren Welt. Es scheint vielmehr, dass das Projekt der Naturbeherrschung den Menschen in eine noch tiefere Abhängigkeit von dem gebracht hat, was eigentlich beherrscht werden sollte.
(Anfang des ersten Kapitels)
Hermann Schmitz
Was ist Neue Phänomenologie?
435 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 8
Die Neue Phänomenologie entspringt der Beirrung darüber, daß sich das Denken (heute zunehmend in der Hand technischer Spezialisten) zu weit von der unwillkürlichen Lebenserfahrung entfernt hat. Die Urschuld daran liegt nicht erst in der Neuzeit, der sogenannten Moderne, sondern schon bei einem Paradigmenwechsel der Griechen um 400 v. Chr.: Bei der Abschließung des Erlebens in privaten Innenwelten, die nur noch durch eine bis auf manipulierbare Merkmale verarmte Außenwelt verbunden sind. Damals fielen die wichtigsten Massen der Lebenserfahrung »unter den Tisch«: der gespürte Leib und die leibliche Kommunikation; die subjektiven Tatsachen des affektiven Betroffenseins; die tieferen Schichten der Räumlichkeit unter dem von Flächen durchzogenen, dreidimensionalen, für das Zusehen bereitgestellten Raum; die Gefühle als Atmosphären; die von sich aus bedeutsamen Situationen (darunter die vielsagenden Eindrücke).
Die Subjektivität wurde als Subjekt und dieses als Seele verdinglicht, mit lauter Objekten um sich herum und naiven Kausalvorstellungen (Andrang der Objekte oder Zupacken der Subjekte) zur Vermittlung beider Seiten; der gemeinsame Ursprung von Subjektivität, Objektivität und Vereinzelung durch Entfaltung der primitiven Gegenwart kam gar nicht mehr in den Blick, obwohl er zur gewöhnlichen Lebenserfahrung gehört.
Die Neue Phänomenologie soll das Vergessene dem Begreifen zugänglich machen und an das übrige Wissen durchsichtig anschließen. Dadurch soll der Lebenswille, wenn er sich in der Gegenwart verankern will, Gelegenheit zu rechenschaftsfähigem Sprechen erhalten.
(Aus der Vorrede, erster Absatz.)
Hans Werhahn
Die Neue Phänomenologie und ihre Themen
182 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Sonderband
Die Neue Phänomenologie stellt dem seit Demokrit, Platon und Aristoteles die Wissenschaft beherrschenden ein »Denken in Situationen« gegenüber. Damit verliert das Modell einer aus festen Körpern zusammengesetzten Welt der Objektivität die beanspruchte Allgemeingültigkeit. Die »Rehabilitierung des Subjektiven«, die die Neue Phänomenologie betreibt, erschließt der wissenschaftlichen Besinnung neue Bereiche: Den Leib, die Gefühle, das Chaotisch Mannigfaltige, die Atmosphären.
Die hier vorgestellten Einführungen zu den einzelnen Themen der Neuen Phänomenologie von Hans Werhahn sollen das notwendige Umdenken erleichtern und bieten zugleich einen Überblick über die ersten zehn Jahre der Arbeit der Gesellschaft für Neue Phänomenologie.
Hermann Schmitz
(mit Beiträgen von Gabriele Marx und Andrea Moldzio)
Begriffene Erfahrung
Beiträge zur antireduktionistischen Phänomenologie
277 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 7
Die Naturwissenschaft, geführt von der Physik, hat glänzenden Erfolg bei der Prognose und erwirbt sich dadurch Ansehen als letzte Instanz für empirische Erkenntnis. Dafür ist der reduzierte Bereich, den sie sich aus der Lebenserfahrung ausschneidet, aber zu schmal. Das Unbehagen an dieser Verkürzung wird durch Ausschweifung in die Metaphysik anhand der Religion kompensiert.
Die von Hermann Schmitz entwickelte Neue Phänomenologie ist bestimmt, die faktische Lebenserfahrung des spürenden, betroffenen, in Situationen verstrickten Menschen, breit gesichtet, besonnenem Begreifen systematisch zugänglich zu machen. Die Autoren dieses Buches erörtern Typ und Anspruch dieser empirischen Forschung und beleuchten sie an psychologischen, psychotherapeutischen, medizinischen, existenziellen, metaphysischen und religiösen Themen exemplarisch.
Hermann Schmitz
Höhlengänge
Über die gegenwärtige Aufgabe der der Philosophie
233 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1997, Band 6
Platon stellt sich die Menschen bekanntlich als gefesselte Zuschauer in einer Höhle vor, den Blick starr auf an die Wand projizierte Schatten, die sich für die Dinge der wirklichen Welt halten, gerichtet, während diese Welt (der ünersinnlichen Ideen) in Wahrheit erst dem entfesselten, umgewendeten, ans Tageslicht geführten und dort der Sonne ansichtig gewordenen Betrachter zugänglich sei. Platons Höhle ist aber keine natürliche Umgebung der (angeblich gefallenen) Menschen, sondern das von den Philosophen für sie gebaute Gefängnis der Tradition, und die Schatten, auf die sie fixiert sind, sind die von Philosophen entworfenen, von Theologen und Naturwissenschaftlern weiter ausgeführten Projektionen eines Herrschaftswillens zur Selbst- und Weltbemächtigung.
Hermann Schmitz will uns aus dieser Höhle hinausführen. Die Neue Phänomenologie stellt dazu den Ansatz und die Begrifflichkeit bereit. Sie hilft uns, mit scharfen und zusammenhängen Begriffen zu sagen, wie es uns wirklich ergeht.
Jens Soentgen
Das Unscheinbare
Phänomenologische Beschreibungen von Stoffen, Dingen und fraktalen Gebilden
266 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1997, Band 5
Vergriffen – keine Neuauflage
Stoffe gehören zu den unscheinbaren Kleinigkeiten, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Und doch sind sie Phänomene; sie bergen etwas Erstaunliches, das sich der Beschreibung zunächst entzieht. Dieses Erstaunliche herauszuarbeiten, ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung.
Dabei entsteht ein neues Konzept von Stoffen, das Aspekte sichtbar macht, die bisher übersehen wurden. Der Autor erhöht die Prägnanz seines Stoffbegriffs, indem er zeigt, daß Stoffe sowohl in der Rolle von Dingen, als auch in Gestalt fraktaler Gebilde auftreten können.
Philipp Thomas
Selbst-Natur-sein
Leibphänomenologie als Naturphilosophie
219 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1996, Band 4
Vergriffen – keine Neuauflage
Wo immer heute von Natur geredet wird, denkt man an einen Bereich von Gegenständen, die wir nicht sind, und wenn an den menschlichen Leib, dann so, wie wir ihn gerade nicht selbst sind: als Körperding. Dabei spielt es praktisch keine Rolle, daß der menschliche Leib Natur ist, und es wird auch nicht herausgearbeitet, daß Leibsein eine besondere Art von Natur-sein ist.
Der Autor geht an dieses Problem teils philosophie-historisch, teils systematisch heran. Aus einer Analyse der Phänomenologie des Leibes bei Husserl, Heidegger, Merleau-Ponty und Schmitz arbeitet Thomas schrittweise heraus, wie eine Leibphänomenologie auszusehen hätte, die den Leib als Natur versteht, die wir selbst sind. Die Natur wird hier dargelegt als das, was uns ausmacht. Auf Grund seiner Analyse legt der Autor die Beziehung der neugewonnenen Phänomenologie der eigenen Natur zur Wissenschaft dar, gibt Ausblicke auf eine mögliche praktische Bedeutung und erläutert die Konsequenzen sowohl für die philosophische Begrifflichkeit wie für die persönliche Lebensführung.
Georg Berkemer/Guido Rappe (Hg.)
Das Herz im Kulturvergleich
261 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1996, Band 3
Vergriffen – keine Neuauflage
Das Buch bietet Zugang zu weitgehend unbekannten Formen des menschlichen Denkens, Fühlens und Verstehens mit dem »Herzen«, sowohl bei fremden Völkern der Gegenwart als auch in der Vergangenheit europäischer und außereuropäischer Kulturen. Es stellt Fragen nach dem Verständnis von Denken und Fühlen am Beispiel des Herzens. »Herz« ist dabei nicht ein Organ im Körper, sondern der Ort der leiblichen Gefühlsregungen. Erklärt werden die Worte, mit denen verschiedene Völker in ihren Sprachen diesen Ort in Alltag und Poesie bezeichnen. Dabei bieten die Beiträge auch dem medizinischen Laien die Möglichkeit, das Spüren seines Leibes und die Ausdruckmöglichkeiten seiner Kultur dazu mit Beispielen aus anderen Kulturregionen und Zeiten zu vergleichen, wo kein Körper-Seele-Dualismus existiert, sondern der Mensch als ganzheitlicher Leib erfahren wird.
Guido Rappe
Archaische Leiberfahrung
Der Leib in der frühgriechischen Philosophie und in außereuropäischen Kulturen
541 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1995, Band 2
Thema dieses Buches ist ein umfassender interdisziplinärer Vergleich ontologischer und anthropologischer Vorstellungen früher Kulturen auf philosophischer Basis. Die Forschungsreise in zeitliche und räumliche Fernen führt vom frühen Griechenland über Ägypten zu den alten Hebräern und von dort weiter nach Indonesien, um schließlich in China zu enden. Versucht wird, das Spektrum der verschiedenen Menschenbilder darzustellen und kritisch zu besprechen. Die Darstellung der verschiedenen anthropologischen Konzeptionen, der therapeutischen Bestrebungen und bestimmter Meditationstechniken bietet dem interessierten Leser einen fundierten Einblick in die Entstehung europäischer und außereuropäischer Umgangsweisen mit dem leiblichen Spüren.
Der intensive Vergleich von Vorstellungen des Seins in Griechenland und China sowie die Diskussion um einzelne Probleme, wie z. B. Die Frage nach dem qi-Begriff mit seinen griechischen und indonesischen Entsprechungen, machen nicht zuletzt durch die Fülle des zugrunde liegenden Materials und durch die Aufarbeitung der wesentlichen wissenschaftlichen Positionen das Buch für jeden, der sich nicht mit oberflächlicher Betrachtung zufriedengeben will, zur empfehlenswerten Lektüre.
Michael Großheim (Hg.)
Leib und Gefühl
Beiträge zur Anthropologie
306 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1995, Band 1
Vergriffen – keine Neuauflage
Die Themen LEIB und GEFÜHL haben in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit gefunden, während sie zuvor in der traditionellen Anthropologie - gemessen an ihrer Bedeutung für das menschliche Leben - vernachlässigt worden sind. Vor diesem Hintergrund bemüht sich der Band um eine philosophisch grundlegende Sichtung der genannten Phänomenbereiche. Dabei zeigt sich, daß der Umgang mit Leiblichkeit und Gefühlen keineswegs eine Sache privater Beliebigkeit ist, die allenfalls noch den Dichtern zur Verwaltung überlassen werden kann, sondern daß auch hier eine begrifflich klare Arbeit an den Phänomenen möglich ist. Dieses Bemühen wird unterstützt durch die Beiträge anderer Disziplinen: Psychiatrie, Pädagogik, Medizin, Ethnologie, Sportwissenschaft, Rechtswissenschaft, Kunstgeschichte, Dramaturgie.